Gospelstation, St. Nicolai Finkenwerder

Interview mit Fridtjof Bundel

Magst Du etwas zu Deiner Person sagen, wo Du herkommst, wie alt Du bist und welche Ausbildung Dich zu uns geführt hat?

Mein Name ist Fridtjof Bundel, ich bin 28 Jahre alt und wohne mit meiner kleinen Tochter Hedda in Hamburg. Ich bin Schauspieler und Musiker, bewege mich also überwiegend im Theater als Darsteller und/ oder als Musikalischer Leiter. ich singe jedoch seit Klein auf in diversen Chören, ich komme sozusagen vom Chor. Als Chorleiter des „Singzimmers“, dem Chor des „Theater Das Zimmer“ in Hamburg und auch jetzt bei „Shout for Joy“ heißt es also ein bisschen „back to the roots“- zurück zu den Wurzeln und darüber freue ich mich.

So ein Chor ist ja eine bunt gemischte Menge ganz unterschiedlicher Menschen. Wie gelingt es Dir, mit ihnen, also mit uns, konstruktiv zu arbeiten?

Naja, konstruktives Arbeiten ist doch im Besten Falle die Motivation für jede Arbeit und unterschiedliche Menschen zusammenbringen ist doch die Absicht eines Chores also verstehe ich die Frage nicht. (lacht)

Nein, im Ernst so bunt der Haufen auch sein mag, so verbindet doch alle die Freude am Singen und noch vielmehr – dem gemeinschaftlichen singen. Also habe ich im Grunde leichtes Spiel.

Aber wenn du mit der Frage darauf abzielst, ob es nicht einmal geteilte Meinungen oder Ansichten gibt, dann kann ich dazu eigentlich nur sagen, dass mich das immer freut. Nur wenn Menschen gegen etwas sind, können Andere auch dafür sein. Das ist im Chor nicht anders als im Leben und letztendlich schweißt es zusammen.

Shout for Joy“ bezeichnet sich selbst als Gospelchor, singt aber auch andere Musikstücke. Wo liegt Dein persönlicher Schwerpunkt in der Musik?

Timing! Feeling! Maximale Freiheit durch größtmögliche Genauigkeit. Das mag vielleicht ein wenig widersprüchlich klingen, ist es aber nicht. Erst wenn Alle beispielsweise über die Einzelheiten einer Gesangsphrase wissen, wie sie beginnt, wie Sie abschließt, wie Sie rhythmisch und tonal verläuft usw. und diese Parameter auch technisch umsetzen können, kann man beginnen, Musik zu machen. Sich darauf verlassen, dass die Nachbarin, der Nachbar eben exakt das gleiche singt. Im Chor geht es schließlich auch um Vertrauen und dafür braucht man auch eine Basis- ein Gerüst. Aber ich schweife gerade ab- was ich damit jedoch sagen will ist, dass die Literatur dabei plötzlich zweitrangig wird. Natürlich wird auch in Zukunft ein Großteil der Literatur Gospel sein, schließlich sind wir ein Gospelchor. Trotzdem erweitern wir unser Repertoire um eben sowohl den Musikalischen als auch den Gesangstechnischen Horizont zu erweitern.

Ein Teil der musikalischen Auftritte ist vorgeben, so bei Gospelgottesdiensten oder auch der Karkmess. Was für weitere Ideen hast Du für den Chor?

Wir haben sogar die Gospelgottesdienste etwas reduziert, damit wir ein bisschen mehr Zeit haben, uns zwischen den Auftritten etwas zu entwickeln und laufend neue Stücke ins Repertoire nehmen können. Ich will damit sagen, dass wir mit den vorgegebenen Auftritten eigentlich schon genug zu tun haben. Trotzdem wollen wir uns künftig auch ein bisschen außerhalb der Kirche präsentieren. Neben regelmäßig stattfindenden offenen Gesangsworkshops für Jedermann/Frau planen wir gerade einen Auftritt bei der Langen Nacht der Chöre am 01.07.2017 in der Elbphilharmonie. (Wer also kostenlos da reinkommen will, kommt am besten schnell zum Chor. (lacht))

Ich selbst erlebe Dich in den Gottesdiensten eher zurückhaltend, bei den Proben und Workshops aber sehr lebendig. Warum gibt es da Unterschiede?

Input und Output! Bei Workshops und Proben bin ich zu einem Großteil damit beschäftigt, die SängerInnen zu bearbeiten, sie zu motivieren, sie aus der Komfortzone zu locken, sie auch ein bisschen zu quälen. Dabei mache ich vieles auch vor und erhoffe mir davon, dass sich meine Energie auf den Chor überträgt. Da komm ich schon ab und zu ins Schwitzen. Ich stochere und hacke so lange auf Ihnen herum – habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich sehr dankbar bin, dass der Chor mich so gut aushält? (lacht) – bis es Alle verstanden haben und umsetzen können und dann ist meine Arbeit getan. Ich übertrage sozusagen die Verantwortung für z.B. einen Rhythmus an den Chor.

Bei einem Auftritt geht es dann mehr um das erarbeitete Ergebnis, das was von meinen teils sehr wilden Motivationsversuchen hängen geblieben ist – das klappt schon ganz gut- aber vor allem geht es nicht um mich, sondern um den Chor. Der Chor präsentiert sich und ich darf dabei sein, wie die SängerInnen die Verantwortung übernehmen und Musik machen. Sollte mal was danebengehen oder nicht klappen, was übrigens passieren darf- denn Fehler sind wichtig- bin ich immer da und kann eingreifen. Ein Chorleiter sollte jedoch nie das offensichtliche dirigieren, sonst wird der Chor naja, wie soll ich sagen, müde.

Und eine letzte Frage: Fühlst Du Dich mit „Shout for Joy“
und auf Finkenwerder wohl, oder was wünscht Du Dir von uns?

Nun, über Finkenwerder kann ich (noch) nicht so viel sagen, denn vor allem jetzt, in den kalten Monaten erreiche und verlasse ich Finkenwerder mit der Fähre ausschließlich im Dunkeln. Mit dem Chor fühle ich mich allerdings sehr wohl. Ich schätze vor allem den positiven Zusammenhalt der Gruppe und das Wissen (hoffentlich geht es allen so), dass niemand im Stich gelassen wird- nicht nur musikalisch gesehen. Darin liegt ein großes Potential, welches wir hoffentlich dafür nutzen, uns weiter zu entwickeln, neugierig zu bleiben und auch an die Zukunft des Chores zu denken. Neue Gesichter, gerade Männer sind übrigens jederzeit herzlich willkommen. Man(n) braucht nur Freude am Singen, Humor und Mut zur Hässlichkeit.

Dann bleibt mir noch zu sagen: Volle Kraft voraus mit „Shout for Joy“, und vielen Dank für dieses Interwiev!